Sonntag, 2. September 2012

Gesundheit oder Reinheit? (mit Mauritius)

Voll cool: Heute hat der Pfarrer in der Predigt etwas angesprochen, was mir auch schon aufgefallen ist, nämlich, daß die Leute immer so total hektisch drauf sind, wenn's um ihre Gesundheit und ihr Äußeres geht, aber bezüglich ihres Seelenheils oft einen total ruhigen Fuß fahren.

So von wegen "Nichts, was von außen in den Menschen hineinkommt, kann ihn unrein machen, sondern was aus dem Menschen herauskommt, das macht ihn unrein".

Stimmt total! Ich meine, wir sind uns ja eh einig, daß Jesus einen ziemlichen Durchblick hatte. Aber so, wie er's heute auf den Punkt bringt... Meine Fresse!

Was habe ich schließlich davon, wenn ich mein ganzes Leben lang kerngesund bin, aber dann nach meinem Tod eine Ewigkeit in kompletter Gottesferne verbringen muß? Gar nichts nutzt mir da meine Gesundheit!

Und was schadet es mir, wenn ich 20 Kilo Übergewicht oder zu wenig Haare, zu kleine Möpse oder nur ein Bein habe, wenn ich mein Leben so im Einklang mit Gottes Geboten lebe, daß ich darauf hoffen darf, nach meinem Tod mit allen Heiligen ewig Gottes Antlitz zu schauen? Gar nix schaden mir da meine körperlichen Beeinträchtigungen!

Klar: Niemand ist gerne krank, niemand empfindet gerne Schmerz. Aber der Satz "Am wichtigsten ist die Gesundheit" ist nicht nur falsch sondern auch gefährlich! Am wichtigsten ist nicht der gesunde Körper, sondern die reine Seele. Das heißt jetzt nicht, daß wir alle losrennen sollen, um unseren Körper zu schänden und zu vernachlässigen. Aber es heißt, daß wir ganz gut daran täten, uns nicht nur von Wellness-Oasen, Fitness-Centern, Bio-Läden und plastischen Chirurgen das Geld aus der Nase ziehen zu lassen, sondern auch mal ein Belastungs-EKG für das Gewissen oder ein Fitness-Training für die Seele in Betracht ziehen sollten.

Warum sind die Fitness-Center so voll und die Beichtstühle so leer?

Ich jedenfalls gehe gerne und regelmäßig zur Beichte. Und zwar nicht, weil mich da irgendjemand mit Horrorgeschichten hingezwungen hat, sondern weil ich schon mit meinen pimpfigen 11 Jahren checke, wenn zwischen mir und Gott was nicht stimmt. Das wieder in Ordnung zu bringen ist mir erstens wichtig, und es ist zweitens einfach ein tolles Gefühl, so weißgewaschen aus dem Beichtstuhl zu kommen!
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Schönen Tag noch und keep it Catholic!
Mauritius

Kommentare:

  1. Da ist sie wieder und feiert fröhliche Urständ die spezifisch katholische Leibfeindlichkeit; und die meisten Gläubigen merken es noch nicht einmal, oder wollen es nicht wahr haben.
    Bis zu den bösen 68ern, die ja bekanntlich die Kirchen geleert haben, konnten die Epidemiologen anhand der Erfassung von Kinderkrankheiten und meldepflichtigen Infektionen feststellen welche Gegend überwiegend katholisch und welche eher protestantisch geprägt ist.
    In protestantischen Gegenden wäre die Bevölkerung immer ein klein wenig gesünder, als in rein katholischen Gebieten.
    Gott sei Dank ist dieser Unterschied inzwischen auf dem höheren, evangelischen Niveau, egalisiert.

    Ich kann Ihren Rat, mens sana in corpore sano nur wiederholen und auf Wellness trifft, wie auf alles andere auch zu, dass allzuviel ungesund ist. Auch allzuviel Liebe und Religion und Glauben kann ziemlich ungut sein.

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  2. @ anonym: Ich find's total süß, daß Sie mich siezen. Ansonsten: Viel Glück mit dem weiteren Verfolgen Ihrer nicht minder süßen Theorie von der katholischen Leibfeindlichkeit.

    Gruß, Mauritius

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  3. Einfach zum Ausprobieren (Empfehlung an alle):

    Beim nächsten mal auf die Aussage "Hauptsache man ist gesund" nicht mit "ja, das ist das Wichtigste" antworten, sondern schlicht und einfach mit "nein".

    Man kann damit 1. herrlich Verwirrung stiften, und 2. durchaus zum Nachdenken anregen.

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  4. Natürlich schadet es, wenn man nur ein Bein hat. Eine erhebliche Behinderung zieht regelmäßig weitere erhebliche Beeinträchtigungen nach sich.
    Trotzdem gebe ich Euch Pimpfen recht. Ich sage auf den Satz "Hauptsache gesund" immer sehr klar "Nein", auf Nachfragen: Hauptsache liebesfähig. Bei Babys: Hauptsache geliebt.
    Übrigens möchte ich gerne mal eine klare Definition von Gesundheit. Krankheit kann man definieren, aber Gesundheit?
    Und schließlich: Habe ich die Hauptsache nicht, weil ich nicht völlig gesund bin?

    Gesundheit ist ein hohes Gut, und wer jemals schlimm krank oder verletzt war, wird das bestätigen. Aber das höchste Gut ist sie nicht.

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  5. @ Wolfgang und Kalliopevorleserin (in der Reihenfolge des Kommentars), das ist eine gute Idee. Ich habe bislang immer mit gewissermaßen eingezogenem Kopf "ja" gesagt, weil ich nicht wusste, was ich antworten soll. DANKE!

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  6. Eigentlich Sieze ich alle, mit denne ich nicht per Du bin. So weit so gut; und jetzt denken wir alle mal scharf über Krankheiten nach, vom banalen grippalen Infekt, bis zum Ovarialkarzinom einer schwangeren Mutter. Ganz so einfach, wie manche es sich hier machen, ist die Sache mit dem "Hauptsache gesund" eben nicht. Und was die Leibfeindlichkeit der katholischen Kirche angeht, lest einfach mal den Katechismus. Wer fast dreitausend Paragrafen Kleingedrucktes auf über achthundert Seiten braucht, um zehn Gebote zu "erklären" der hat nicht nur mit seiner Leibfeindlichkeit ein Problem.

    Dazu noch ein besonderes Schmankerl für Katholiken strenger Observanz. Die römisch-katholische Kirche will doch, wenn mich die jüngsten Auflagen von Büchern des Papstes nicht täuschen, die Religion der Liebe sein. Das wäre dann narürlich überhaupt nicht leibfeindlich (wenn man's richtig macht!). Und jetzt schaut mal nach, wie oft im katholischen Katechismus das Wort Liebe vorkommt und ob ein anderes Wort noch öfter registriert ist. Viel Spass!

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  7. @ anonymous: Wie wäre es mal mit ein paar wirklichen Aussagen?

    Ich lese das herablassende "Jetzt denken wir alle mal scharf über Krankheiten nach", ohne zu erfahren, ob dieses Nachdenken Ihnen Gewinn brachte und wenn ja, welchen.

    Ich lese "Ganz so einfach, wie manche es sich hier machen, ist die Sache mit dem "Hauptsache gesund" eben nicht", erfahre aber nicht, warum.

    Ich lese "Und was die Leibfeindlichkeit der katholischen Kirche angeht, lest einfach mal den Katechismus" und denke mir 'Oh! Danke! Tolle Idee! Wäre mir als 11-jährigem Hardcore-Katholiken nie in den Sinn gekommen!'

    Ich lese "Wer fast dreitausend Paragrafen Kleingedrucktes auf über achthundert Seiten braucht, um zehn Gebote zu "erklären" der hat nicht nur mit seiner Leibfeindlichkeit ein Problem" und stelle fest, daß dies nicht einmal die Leibfeindlichkeit beweist, geschweige denn irgendwelche anderen Probleme.

    Ich lese "Die römisch-katholische Kirche will doch, wenn mich die jüngsten Auflagen von Büchern des Papstes nicht täuschen, die Religion der Liebe sein. Das wäre dann narürlich überhaupt nicht leibfeindlich (wenn man's richtig macht!)" und frage mich, was die Liebe mit dem Leib zu tun hat, oder anders gefragt, wo die Liebe zuerst auftaucht: Im Leib oder in der Seele? Vollziehe ich zuerst leiblich die Liebe, bevor ich sie empfinde? Kennen Leute, die Ihr leben lang keinen Geschlechtsverkeht hatten, die Liebe nicht?

    Ich lese "Und jetzt schaut mal nach, wie oft im katholischen Katechismus das Wort Liebe vorkommt und ob ein anderes Wort noch öfter registriert ist" und frage mich, was die Häufigkeit der Verwendung des Wortes Liebe im Katechismus mit einer vermeintlichen Leibfeindlichkeit der Kirche zu tun haben könnte.

    Ehrlich: Sind diese Nebelwände alles, was geht, oder haben Sie da noch etwas?

    Mauritius

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  8. @anonymous: Wie wäre es mal mit ein paar wirklichen Aussagen?

    Wirkliche Aussagen? Sie meinen der katholische Katechismus, den ich als Zeugen aufgerufen habe, ist „unwirklich“ in seinen Aussagen? Sie sollten mal nachlesen im katholischen Katechismus, dann wissen Sie, ob meine Aussagen zum katholischen Katechismus „unwirkliche Aussagen“ sind und nicht so ins Blaue hinein den katholischen Katechismus abtun.

    Ich lese das herablassende "Jetzt denken wir alle mal scharf über Krankheiten nach", ohne zu erfahren, ob dieses Nachdenken Ihnen Gewinn brachte und wenn ja, welchen.

    Dass es so pauschal, wie die Aussage im Beitrag gemacht wurde, wenig hilfreich ist, das Argument „Hauptsache gesund“ einfach abzutun.

    Ich lese "Ganz so einfach, wie manche es sich hier machen, ist die Sache mit dem "Hauptsache gesund" eben nicht", erfahre aber nicht, warum.

    Doch, wenn Sie gelesen und verstanden hätten wüssten Sie es. Weil es ein Unterschied ist, ob wir von einem banalen Infekt reden, oder einer für Mutter und Kind lebensbedrohenden Erkrankung. Aber da haben Sie anscheinend grosszügig drüber hinweg gelesen und so Ihren Standpunkt von meinen angeblich „unwirklichen Aussagen“ zurecht gezimmert.


    Ich lese "Und was die Leibfeindlichkeit der katholischen Kirche angeht, lest einfach mal den Katechismus" und denke mir 'Oh! Danke! Tolle Idee! Wäre mir als 11-jährigem Hardcore-Katholiken nie in den Sinn gekommen!'

    Wenn Ihnen das noch nicht in den Sinn gekommen ist, kann ich Ihnen nur dringend empfehlen, die Katechismus-Lektüre nachzuholen und zwar den GANZEN Katechismus, von vorne bis hinten. Und wenn Sie noch ein Exempel dazu brauchen, lesen Sie eines der Bücher über Moral von Andreas Laun. Der ist ein Experte in allem was Leib und Liebe angeht und hat einschlägige Bücher dazu verfasst. Sehr, sehr lehrreich!

    Ich lese "Wer fast dreitausend Paragrafen Kleingedrucktes auf über achthundert Seiten braucht, um zehn Gebote zu "erklären" der hat nicht nur mit seiner Leibfeindlichkeit ein Problem" und stelle fest, daß dies nicht einmal die Leibfeindlichkeit beweist, geschweige denn irgendwelche anderen Probleme.

    Nein, so einfach wie Sie das gerne hätten ist das nicht. Sie müssen schon den Katechismus studieren, um diese Erkenntnis zu gewinnen, zumindest die einschlägigen Stellen, die sich auf Leib. Liebe und Leben beziehen. Allerdings befürchte ich, dass Sie, wie bei meinem Beitrag auch, vielleicht doch zu schnell fertig sein könnten. Also nehmen Sie sich Zeit für den Katechismus.

    Ich lese "Die römisch-katholische Kirche will doch, wenn mich die jüngsten Auflagen von Büchern des Papstes nicht täuschen, die Religion der Liebe sein. Das wäre dann narürlich überhaupt nicht leibfeindlich (wenn man's richtig macht!)" und frage mich, was die Liebe mit dem Leib zu tun hat, oder anders gefragt, wo die Liebe zuerst auftaucht: Im Leib oder in der Seele? Vollziehe ich zuerst leiblich die Liebe, bevor ich sie empfinde? Kennen Leute, die Ihr leben lang keinen Geschlechtsverkeht hatten, die Liebe nicht?

    Fragen über Fragen, die sich vielen Menschen gar nicht stellen, weil sie die Antwort auf diese Fragen einfach in sich fühlen. Daher meine nochmalige Empfehlung, wenn Sie sich über Leib und Liebe oder gar Sexualität nicht sicher sind, lesen Sie in der Moraltheologie von Andreas Laun nach; der ist für diese Themen ein absoluter Kenner und Experte. Vor allem leicht zu lesen und zu verstehen; er schreibt Klartext!

    Schade, der Rest meiner Antwort wurde vom Begrenzer gestoppt. Ist vielleicht besser für Sie.

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  9. Das wird mir hier alles viel zu abstrakt und so richtig folgen kann ich auch nicht mehr.

    Deshalb mal 'ne konkrete Frage an den anderen Anonymen mit der Bitte die so unpolemnisch wie möglich zu beantworten:

    Was bedeutet hier eigentlich konkret das Wort "Leibfeindlichkeit"?

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  10. "Ganz so einfach, wie manche es sich hier machen, ist die Sache mit dem "Hauptsache gesund" eben nicht."

    Stimmt, wir machen es uns einfach und denken nie über Krankheiten nach. Weil wir ja alle so gesund sind.

    Anonymous, ich wollte eigentlich nett bleiben, aber der Satz mit dem Einfachmachen ist schlichtweg erbärmlich. Wenn ich nicht wüßte, daß die Hauptsache etwas anderes als Gesundheit ist - trotz der unbestreitbaren Wichtigkeit, das Leiden möglichst klein zu halten - dann müßte ich seit vierzig Jahren überzeugt sein, daß mir das Wichtigste leider fehlt.

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  11. Man kann Leibfeindlichkeit auch mit Leibesverachtung gleich setzen. Sie bedeutet, dass in der römisch katholischen Kirche so gut wie alles, vor allem aber die Liebe, in diesem Fall der körperliche Ausdruck der Liebe, unter dem besonders schweren Generalverdacht der Sündhaftigkeit steht. Deswegen meine Hinweise auf den Katechismus; dort werden Sünde und Sündhaftigkeit, ebenso wie in den von mir empfohlenen Büchern von Andreas Laun, minutiös beschrieben. Und weil viele Gläubige Katholiken diese Leibfeindlichkeit ihrer Kirche nicht wahr haben wollen, werden Filme in denen diese Leibesverachtung deskriptiv verarbeitet wird, wie Ulrich Seidels neuer Film Paradies: Glaube, gerne als angeblich blasphemisch denunziert.
    Und jetzt ziehe ich Erbärmlicher mich in mein Wurmloch zurück und überlasse das Schlachtfeld den strahlenden, erzkatholischen Siegern. Adieu!

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    1. Nur weil man körperliche Liebe als etwas so wunderbares und schönes und bedeutungsvolles ansieht, dass man ihr einen perfekten Rahmen (namens Ehe) gibt, verachtet man den Leib noch lange nicht. Die katholische (und auch die orthodoxe) Kirche ist eben nicht so wie die Katharer. Diese mittelalterliche Sekte lehnte Sex und alles leibliche allgemein wegen eines sehr zweigeteilten Weltbildes ab (und wurden deshalb von der kath. Kirche abgelehnt.
      Außerdem geht es hier eigentlich um Gesundheit und da sollte man nicht vergessen, dass viele medizinische Erkenntnisse, Kuren und Co. auch von Katholiken und auch katholischen Priestern kamen und es, nebenbei gesagt, ja auch üüüüüberhaupt keine katholischen Krankenhäuser und Hospize gibt und im Mittelalter schon auch gaaaaar nicht gab... Zudem gibt es meines Wissens in der katholischen Lehre keine Aussagen gegen körperliche Gesundheit.
      Der Post wollte meines Erachtens das Streben nach Gesundheit nicht kleinreden, sondern darauf hinweisen, dass es eben auch noch eine Seele gibt. Es heißt ja MENS SANA in corpore sano.

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  12. @ anonym: In Ihrer ersten Antwort (5. September 2012 00:41) schreiben Sie viel, kreisen aber nach wie vor aussagenlos um das Thema herum. "Lesen Sie mal dies", wo schon längst gelesen wurde oder "Verstehen Sie mal das", wo schon längst verstanden (aber nicht zugestimmt wurde) ist einfach nicht genug.

    Und in der zweiten Antwort beweisen Sie nicht etwa ihren Vorwurf der Leibfeindlichkeit, sondern verstärken ihn dreist zum Vorwurf der Leibesverachtung und setzen dann noch die olle Kamelle drauf, daß in der Katholischen Kirche der körperliche Ausdruck der Liebe unter dem besonders schweren Generalverdacht der Sünde steht. Das ist schlicht und einfach falsch, und ich verüble Ihnen bei diesem Inormationsstand auch nicht, daß Sie Sich verabschieden.

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  13. Sie haben weder den Katechismus (ganz) gelesen, noch verstanden und auch nicht die Moraltheologie von Laun.

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  14. @ anonym: Ja, genau! Ich muß mir von jemandem, der sich in sein "Wurmloch" zurückzieht und das "Schlachtfeld" anderen überläßt, dann aber wieder zurückkehrt, ergo seine eigenen Worte nicht versteht, erklären lassen, was ich verstanden habe und was nicht. Ergibt vollkommenen Sinn!

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